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29.04.2015 - 08:30 Uhr

„Spiegelbilder - Malerei und Skulpturen“ - Robert Günzel zeigt seine Werke in der kleinen Galerie im Haus des Gastes in Polle

Polle (red). Am Sonntag, dem 10. Mai, um 11:00 Uhr, lädt der Heimat- und Kulturverein Polle ins Haus des Gastes, auf dem Burggelände, zur Vernissage mit Prof. Robert Günzel. Robert Günzel, geb. 1938 in Poischwitz/ Schlesien, verlor seine Heimat durch die Vertreibung und landete in Versmold im Münsterland, studierte Wandmalerei an der Werkkunstschule Münster, Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Karlsruhe und koordiniertes Gestalten bei Prof. Walter M. Förderer.

Nach diversen großen Auftragsarbeiten, z.B. Gestaltung des Seegassenbereiches der Universität Konstanz und des Außenbereiches der Päd. Hochschule Karlsruhe, war er von 1985 bis 2003 als Professor für Kunstwissenschaft und Kunstpraxis an der Universität Hildesheim tätig. Anschließend und bis zum heutigen Tage arbeitet er in seinem eigenen Atelier in Wispenstein als freischaffender Künstler.

Die Darstellung von existenziellen Grundsituationen und die Annäherung an das Menschenbild unserer Zeit sind die Hauptmotive in seinen Arbeiten. Sowohl in der Malerei als auch in großformatigen Holz-, Marmor- und Bronzeskulpturen setzt sich der Künstler mit diesem Themenbereich auseinander. Durch seine traumatischen Erfahrungen in den Wirren des Krieges für immer gezeichnet, findet er in seinen Arbeiten die Möglichkeit, sich mit seiner inneren Befindlichkeit auseinander zu setzen. Vor Robert Günzels Bildern wird man nicht stehen und sagen: ach ist das schön. Ganz sicher nicht! Man wird versuchen, sich hineinzuversetzen und zu verstehen. Findet der Betrachter eventuell die Darstellung seiner eigenen Gefühle in der Tiefe eines Bildes wieder? Falls die Bilder wie ein Spiegel - also Spiegelbilder - der eigenen Seele sind, sollte es möglich sein, daraus Kraft zu schöpfen. Die Kraft, die ein Mensch braucht, um aus der Erfahrung den Mut zu schöpfen, etwas Neues zu beginnen.

Prof. Günzel bringt es mit seinen Worten zum Ausdruck: In meiner Malerei und Skulptur versuche ich meine traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten und mein eigenes Chaos zu bannen. Dabei soll formal das Expressive mit dem Symbolischen und dem Aleatorischen versöhnt werden. Oder ist diese vitale Lebensgier nur ein perfider Trick der Natur, um uns den Lebenskampf bestehen zu lassen und die Art zu erhalten? Jedenfalls sehe ich mich als Zeitgenossen. Für die reflektierenden Mitgenossen zählt nur noch die lächerlich kurze Spanne des eigenen Lebens, die exzessiv genutzt werden muss, um Lust, Genuss, Macht und Leben darin zu optimieren.

Es brennt auch in meinem Gehirn ein energetisches Feuer, um der grenzenlosen Leere des Raums Widerstand entgegenzusetzen. Und ich imaginiere mich in eine Bruderschaft großer Maler hinein, die mich stützt und fordert. Zu ihnen gehören Goya, van Gogh, Munch, Kirchner, Picasso und viele, viele andere Maler. Die Illusion treibt uns an, obwohl wir alle wissen, dass wir dieses Ziel - die Überwindung unseres Verlorenseins - nicht erreichen können. Aber wir können wenigstens in kurzen Momenten der Euphorie die Schrecken dieser Vorstellung durch Malerei bannen.

Kann man Einsamkeit, Isolation, Angst, Bedrückung und Verzweiflung in Bilder bannen? Robert Günzel ist es gelungen. So authentisch, so ehrlich und schonungslos, so monströs - ein Wahnsinnswerk. Am 10. Mai wird Prof. Günzel für Gespräche mit interessierten Gästen gerne zur Verfügung stehen. Auf dem Burggelände kann außerdem die Ausstellung der großformatigen Skulpturen von Otfried Faul besichtigt werden.

Die Ausstellung „Spiegelbilder“ wird bis zum 21.06.15. gezeigt:

Mo., Mi., Fr. von 9 bis 12:30 - Di., Do. von 14 bis 17 und Sa. von 10 bis 12 Uhr

Sa., So. und an Feiertagen von 14:30 bis 16:30 Uhr

Foto: Heimat- und Kulturverein

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