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07.10.2016 - 08:58 Uhr

Ende im Gelände? Eine Kolumne von Marion Albrecht

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Eine Kolumne von Marion Albrecht. Teil4. Als ich noch Kind war gab es in Lenne einen Bäcker, eine Volksbank und die Nord/LB, zwei Konsums und eine Poststelle. An die Kneipenkultur kann ich mich nicht erinnern, dazu war ich noch zu klein. Das Leben blühte und es gab viele Landwirte, die auch noch von diesem Beruf ihr Leben bestreiten konnten.

Doch heute droht das Leben im schönen Weserbergland zu veröden. Erst verschwanden die Läden und jetzt drohen auch noch die Schulen dicht zu machen. Zum Schluss gehen die Menschen. Ich kann mich leider davon nicht ausschließen, da es für mich dort keine Arbeit gab. In Hannover konnte ich nach langen Bewerbungszeiten endlich wieder Fuß fassen.

Es sind sehr idyllische Orte mit viel Grün und ruhig gelegen. Dörfer mit mittlerweile schlechter Infrastruktur. Dörfer, die langsam ausbluten. Gründe gibt es viele. Unternehmen ziehen in die Ballungsgebiete, weil ihnen gute Verkehrsanbindungen und schnelles Internet fehlen. Schulen schließen, weil Lehrkräfte nicht aufs Land ziehen möchten. Manchmal ist es auch der Arzt, der keinen Nachfolger findet. Immer mehr Schulabgänger haben als Ziel ein Studium, welches leider nicht in Stadtoldendorf, Bevern oder Eschershausen absolviert werden kann. Nach dem Studium kehren nur die wenigsten zurück.

Der Ortskern liegt brach in vielen Dörfern. Beim Werben um junge Familien werden Bauplätze zu Spottpreisen angeboten. Viele Discounter konnte man an die Ortsränder locken. Geschäfte und Häuser stehen leer und vergammeln. Das Sozialleben erlahmt. Die Angebote für Jugendliche lassen zu wünschen übrig und die Vereine veralten, weil sie keinen Nachwuchs haben.

Die Folgen der Landflucht zeigen sich aber auch in den Städten. Das Wohnen wird für viele unbezahlbar. Horrende Mietpreise und unglaublich hohe Baupreise schrecken viele ab.

Bewegungen vom Land in die Stadt hat es schon immer gegeben. Im 19. Jahrhundert, während der Industrialisierung wurden viele Menschen in die Städte getrieben. Auch hier gab es zu späterer Zeit wieder eine Rückbesinnung.

Es gibt verschiedene Dorferneuerungsprogramme, die das Leben attraktiver gestalten sollen. Städter kommen gern und oft aufs Land zurück, um Ruhe und Entspannung zu finden. Nur hier - abseits des Großstadtlärms können sie auftanken.

Die Leute vom Land, die hier keine Arbeit mehr haben, werden weiterhin in die Stadt gehen und überspannte Großstädter richten sich ihr Leben auf dem Land ein, nach ihrer Phantasie.

Es gibt viele optimistische Menschen, die große Projekte fördern, sei es der Kampf um den Erhalt von öffentlichen Einrichtungen, wie Schwimmbädern oder Sportanlagen oder das Setzen von Stolpersteinen. Ebenfalls sollten die Bemühungen um verschiedene geschichtliche Stätten nicht unerwähnt bleiben. Zum Glück gibt es immer noch sehr viele Menschen, die sich ehrenamtlich einsetzen.

Das Weserbergland wird immer mehr dem Tourismus geöffnet. Ich finde das wunderbar und hoffe, dass dadurch jede Menge neuer Ideen und Geschäfte entstehen.

Es hat schon immer Bewegungen in die eine und auch wieder zurück in die andere Richtung gegeben. Ich glaube und hoffe fest daran, dass auch das Weserbergland wieder neuen Zuwachs gewinnt und bald wieder in neuem Glanz erstrahlt.

Ich wohne zwar aktuell in einem Dorf vor den Toren von Hannover, vermisse jedoch täglich die Berge und die schönen Spaziergänge in der Natur. Wer weiß, vielleicht führt auch mich die Sehnsucht irgendwann wieder zurück.

Bis nächste Woche


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