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28.10.2016 - 08:16 Uhr

Ein Syrer und ein Deutscher erzählen/Buchempfehlung - Eine Kolumne von Marion Albrecht

altEine sehr liebgewonnene, junge Arbeitskollegin lieh mir das Buch „Unter einem Dach“ aus. Die überaus eindrucksvoll geschriebene Geschichte erzählt von dem Zeit-Reporter Henning Sußebach und dem aus Syrien geflohenen Studenten Amir Baitar.

Ich war gefesselt und las das Buch innerhalb kürzester Zeit durch. Es geht um Integration, nicht um die große politische Frage der Eingliederung, sondern die Zusammenführung in der Familie. Es geht um Missverständnisse, Glaubensfragen und auch Einsichten auf beiden Seiten. Ein Dialog mit unbequemen Wahrheiten, überraschender Komik und vielen Situationen, die uns Mut machen und die Angst vor dem Fremden nehmen. In berührender Weise wird berichtet, wie sich der gläubige Muslim Amir und der Atheist Henning annähern. 

Amir Baitar findet, nach seiner Flucht aus Syrien, Obdach bei dem deutschen Zeit Reporter Henning Sußebach und seiner Familie. Gleich zu Anfang des Buches steht die Erläuterung der Mülltrennung kontrovers zu den schrecklichen Erlebnissen der Menschen in Syrien, die ums bloße Überleben kämpfen. Die Familie schaut „Tatort“, während auf Al Jazeera von Gräueltaten in Syrien berichtet wird. Amir versteht die Deutschen anfangs nur schwer. Aufgrund seines Glaubens darf er keine Frauen anfassen, ohne sich danach rituell zu reinigen.

Er hat noch nie gesehen, dass Menschen sich auf öffentlicher Straße küssen und trinkt keinen Alkohol. Er trinkt noch nicht einmal aus Gläsern, in denen vorher Alkohol war, obwohl sie bei 60 Grad in der Spülmaschine gewaschen wurden. Er versteht nicht, warum er monatelang nichts von den Nachbarn sieht und warum keine Kinder auf der Straße spielen. Merkwürdig findet er auch, dass Henning als Familienoberhaupt mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, während seine Frau das Auto benutzt.

Es sind viele Kleinigkeiten des Alltags, die Amir fremd und ungewohnt sind und sich im Laufe seines Aufenthaltes in der Familie Sußebach teilweise auflösen. Die Integration gelingt während Zugeständnisse auf beiden Seiten gemacht werden.

Klappentext Zitat:

„Wir schaffen das, lautete das von Angela Merkel in der Flüchtlingsfrage ausgegebene Credo. Aber was ist „das“? Und wie „schaffen“ wir es? Wie soll ein Muslim in einem engen Gästebad die rituelle Reinigung vollziehen?“

Dieses Buch hat mich sehr berührt und zum Nachdenken angeregt.

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle etwas über Hugenotten, Weißrussen und Juden erzählen oder von Deutschen, die im 19. Jahrhundert nach Amerika ausgewandert sind. Doch das führe zu weit und ist zu komplex, um es in einer Kolumne nur am Rande zu erwähnen

Es gab schon immer Völkerwanderungen, über die schon ausführlich in vielen Geschichtsbüchern referiert wurde. Ursachen und Wirkungen füllen schon mehrere Bibliotheken. Die Menschen suchten aus Not, Hunger, Verfolgung und/oder Glaubensfragen nach ihrem Heil in anderen Ländern und nahmen dabei große Strapazen auf sich. Schon oft mussten Deutsche flüchten und oft war Deutschland selbst schon Zufluchtsland.

Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch das Recht auf Sicherheit und Wohlergehen hat.

Im Gegensatz zu früheren Immigrationen, mussten wir durch die aktuelle Flüchtlingswelle bisher noch keine Einschränkungen erfahren, weder finanziell noch in irgendeiner anderen Form. Merkwürdig finde ich, dass gerade Menschen aus Gebieten, in denen das Flüchtlingsaufkommen am geringsten ist, am meisten dagegen protestieren.

Das Geschrei ist oft unerträglich. Große Nächstenliebe und Abwehr finden gleichzeitig statt. Oftmals ist es die Furcht vor dem Unbekannten, vor den fremd aussehenden Menschen und Gerüchte, die Angst und Abwehr schüren. 

Ich finde es stets interessant und unheimlich inspirierend, wenn ich Menschen kennen lernen darf, die anders sind als ich. Nur so kann ich meinen Horizont erweitern und trete nicht auf der Stelle. Uns geht es gut und es wurde noch niemandem etwas genommen. Menschen kommen aus Not und als Verfolgte in unser Land und für mich ist es selbstverständlich zu helfen. Eine Kultur der offenen Arme ist wünschenswert. Leben und leben lassen. Das ist für mich die einzig richtige Devise.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Bis nächsten Freitag

Marion Albrecht

alt

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