Schnellkontakt: media@meine-onlinezeitung.de   -    Telefon: 0152 - 25 12 75 36


Jobbörse Blickpunkt FANKURVE Veranstaltungskalender Partnerzeitungen Restaurants

25.11.2016 - 11:46 Uhr

Unternehmerische Schreckgespenster: Eine Kolumne von Marion Lindhof

alt

Schon als kleines Kind liebte ich es, wenn meine Eltern mir Geschichten erzählten. Mit ca. 8 Jahren bekam ich meinen ersten Schallplattenspieler. Er war orange und ich nutzte ihn, wann immer ich konnte. Meine Märchen-Schallplattensammlung wuchs ins Unendliche. Noch heute mag ich Geschichten, vor allem die gruseligen haben es mir angetan und deshalb möchte ich die heutige Kolumne nutzen, um meine erste eigene Kreation zu erzählen. Selbstverständlich ist alles frei erfunden und es gibt keine Ähnlichkeiten zu mir bekannten Personen oder Unternehmen. Los geht`s:

Es waren einmal zwei Brüder. Beide waren sehr schlau, kreativ und hatten eine Menge Ideen. Ihr Unternehmergeist war groß und so gründeten sie gemeinsam eine GmbH. Das kleine Start-up wuchs schnell, denn die Geschäfte liefen gut. Innerhalb von wenigen Jahren vervielfachte sich die Belegschaft und das Produktsortiment um ein Mehrfaches. Das Unternehmen eroberte Märkte im Inland als auch im Ausland und genoss ein gutes Ansehen. Das Angebot war zeitgemäß, Bio und Nachhaltigkeit wurden, zumindest nach außen, gelebt.

Alles hätte eigentlich sehr harmonisch und ehrlich sein können, doch im Inneren der GmbH war es finster. Üble Machenschaften, geknechtete Mitarbeiter und geringe Löhne warfen tiefe Schatten. Erik, der eine Bruder war geldgierig und konnte nicht genug bekommen. Er war meistens übel gelaunt, behandelte seine Untergebenen wie Sklaven und richtete sich kaum nach dem gültigen Arbeitsrecht. Sein Bruder Gerd hingegen war auch sehr gerissen, allerdings behandelte er seine Mitarbeiter gut. Die beiden Brüder zerstritten sich und so teilte sich das Unternehmen. Gerd konnte schnell in einer anderen Stadt Fuß fassen. Alle seine Mitarbeiter folgten ihm und so entstand bald ein harter Konkurrenzkampf zwischen den Beiden.

Ich möchte zunächst von Erik berichten. Kennen Sie das Sprichwort "Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken"? Es war erstaunlich, wie sehr die GmbH von ihren Führungskräften geprägt war. Diktatorische Leitung, mangelnde Transparenz und ständige Kontrolle und Schuldzuweisungen ließen viele Mitarbeiter resignieren. Vorgänge eskalierten, Krisensituationen häuften sich, der Krankenstand gedieh und eine immense Fluktuation machte die Gesamtsituation schwieriger. Besonders von einem jungen Mitarbeiter möchte ich an dieser Stelle erzählen.

Lars begann vor 7 Jahren in dem Unternehmen zu arbeiten. Er bewarb sich mehrere Male, bis es endlich klappte. Gerade das Produktsortiment war für den jungen Mann überzeugend und er setzte alles daran, um in dieser Firma unterzukommen. Er begann als Sachbearbeiter, überzeugte schnell durch Fleiß und Durchsetzungsvermögen und machte Karriere. Mittlerweile ist er zum Einkaufsleiter aufgestiegen. Die Karriere gelang in rasantem Tempo. Vielleicht zu rasant? Vom Ehrgeiz zerfressen, vergaß er sich selbst und tat alles, um seine Ziele durchzusetzen. Er konnte schwer Aufgaben delegieren und Kontrolle stand über allem. Wahrscheinlich vertraute er sich selbst nicht, denn seine Mitarbeiter wurden eingeschränkt, wo es nur ging. Fehler wurden vertuscht und anderen in die Schuhe geschoben. Er hatte eine Menge zu tun und den Überblick längst verloren. Das Rad drehte sich immer schneller und schneller. Doch er arbeitete Tag und Nacht, gönnte sich keine Pausen und schon gar keinen Urlaub. Bluthochdruck war noch das geringste Übel. Wahnsinn, was ein Mensch alles aushalten konnte. Er lief nur im Galopp über die Flure und hatte noch nicht einmal Zeit „Guten Morgen“ zusagen. Der Druck von Erik, dem Geschäftsleiter war immens und Lars traute sich nicht zu widersprechen. Angst und Selbstzweifel nagten an ihm. Ein Termin jagte den nächsten. Warum tat er sich das nur an?

Luisa arbeitete auch bereits seit 6 Jahren in dieser Firma. Sie machte keine Karriere und erledigte stets die Aufgaben, die man ihr zuwies. Sie war sehr extrovertiert und konnte sich gut darstellen und verkaufen. Leider wurde sie nie, gemäß ihrer Talente, eingesetzt. Obwohl sie schon zu den älteren Mitarbeitern gehörte, bekam sie lediglich ein Spottgehalt. Manchmal warf man ihr vor, dass sie zu ernst schauen würde oder dass sie sich mit den falschen Mitarbeitern in die Mittagspause begab. Ihren Vorgesetzten war leider nicht klar, dass ein immenses Potential in ihr lag. Hätte man sie doch bloß einmal angehört und andere Aufgaben erledigen lassen.

Gerade junge Mitarbeiter, die kaum Berufserfahrung hatten, wurden bevorzugt eingestellt und kletterten rasch die Karriereleiter hoch. Sie bekamen große Titel, die sie jedoch aufgrund mangelnder Erfahrung kaum ausfüllen konnten. Sie widersprachen nicht, machten alles, was von ihnen verlangt wurde und arbeiteten zu sehr geringen Löhnen. Sie waren gut lenkbar. Die älteren Mitarbeiter wurden kurzgehalten. Kritik war nicht erlaubt und so schluckten sie vieles herunter, weil sie in ständiger Angst lebten, entlassen zu werden. Familienfreundlichkeit war nur ein schöner Schein nach außen.

Mitarbeiter gab es wirklich viele. Alle waren auf ihre Weise toll und erledigten ihre Aufgaben, so gut sie eben konnten. Vielen Mitarbeiter wurden gekündigt und viele kündigten auch selbst. Für die GmbH war es mittlerweile sehr schwer, neues Personal zu finden. Sie wollte nicht viel zahlen und bot - außer Überstunden - keine weiteren Vorteile.

Im Unternehmen von Gerd sah es ganz anders aus. Gerd wusste, dass die Mitarbeiter sein höchstes Kapital waren. In seinem Unternehmen gab es sogar einen Betriebsrat. Die Mitarbeiter von Gerd wurden gemäß ihren Talenten eingesetzt. Kritik war erwünscht, denn nur so konnte sichergestellt werden, dass jeder einzelne mitdenkt und mit Verbesserungsvorschlägen zum Unternehmenserfolg beiträgt. Hier gab es kaum Fluktuation und nur wenige Krankmeldungen. Die Mitarbeiter identifizierten sich mit dem Unternehmen und kamen gern zur Arbeit. Es gab eine Kantine und Müttern mit Kindern wurden flexible Arbeitszeiten angeboten. Die Löhne waren tarifgebunden und Überstunden bezahlt. Regelmäßige Schulungen wurden gratis angeboten und das Führungspersonal wusste um die Vorbildfunktion. Das Betriebsklima war durch guten und fairen Umgang gegenüber Kollegen und Mitarbeitern geprägt. Arbeitsfreude und Motivation, fließende Kommunikation, Transparenz und nachvollziehbare und schlüssige Strategien ließen Gerds Unternehmen schnell wachsen und einen Umsatz erreichen, von dem Erik nur träumen konnte. Natürlich profitierte auch das Produktsortiment von dem Elan und der Begeisterung der Mitarbeiter. Sie waren mit dem Herzen dabei und so spiegelte das natürlich auch die Kreativität und Qualität des Angebotes.

Ach, wenn Erik doch nur zur Einsicht gekommen wäre. Wenn er seine Ziele doch gemeinsam mit den Mitarbeitern und nicht auf deren Rücken durchgesetzt hätte. Wenn er doch verstanden hätte, wie wichtig Führung ist.

Die Geschichte nimmt für Erik und seine Mitarbeiter keinen guten Verlauf. Das Unternehmen krankte mehr und mehr.

Was vermuten Sie, wie die Moral dieser Geschichte lauten könnte? Ich denke, dass ich das nicht weiter ausführen muss. Ich hoffe sehr, dass Unternehmen, wie das von Erik bald der Vergangenheit angehören.

Operative Hektik ersetzt keine geistige Windstille und wir kochen alle nur mit Wasser. Angst und Schrecken blockieren und führen zu keinen guten Ergebnissen. Identifikation, Motivation und ein fairer Umgang sind sehr wichtig. Wir leben nicht mehr im Mittelalter und Diktatoren und Selbstdarsteller, die nur an ihrem eigenen Vorteil interessiert sind und dabei ihr Umfeld vergessen, gehören nicht in Führungsetagen. Mitarbeiter sollten sich nicht alles bieten lassen und sich gemeinsam gegen unfaire Arbeitsbedingungen aussprechen. Niemand muss schlechte Behandlung akzeptieren und wenn alle Stricke reißen, sollte man, bevor sich Krankheiten manifestieren, wohl lieber gewohnte Strukturen verlassen und einen Neuanfang in einer anderen Firma wagen. Arbeitsverhältnisse beruhen auf Gegenseitigkeit und sollten keine Einbahnstraße darstellen.

Diese Geschichte ist leider in vielen Firmen noch Realität. Mögen Unternehmer wie Gerd die Oberhand gewinnen.

In diesem Sinne bis nächste Woche

Marion Lindhof

alt

Unternehmerische Schreckgespenster: Eine Kolumne von Marion Lindhof - Auf Twitter teilen.
Anzeige

TOP 5: Die meistgelesenen Nachrichten der Woche

 

Region Aktiv

Unser Nachrichten-Netzwerk
Brakel News Einbeck News Holzminden News
Höxter News Immobilien aus der Region Meine Fankurve
Northeim News Sportkurve Höxter Warburg News
Weser-Ith News